Mit Einst war ich älter – Johannes Heisig im Dialog mit Wolfgang Hilbig präsentiert das Museum Giersch der Goethe-Universität in Kooperation mit DIE GALERIE eine Ausstellung, die Literatur und Malerei auf besondere Weise miteinander in Dialog bringt. Im Mittelpunkt steht die mehr als drei Jahrzehnte währende künstlerische Auseinandersetzung des Malers Johannes Heisig mit dem Werk des Schriftstellers Wolfgang Hilbig.
Wolfgang Hilbig (1941–2007) und Johannes Heisig (*1953) gehören unterschiedlichen Generationen an und haben die DDR aus unterschiedlichen Perspektiven erlebt. Dennoch gibt es eine starke Verbindung zwischen ihren Arbeiten: Themen wie Herkunft, Identität und Erinnerung sowie die Brüche deutscher Geschichte werden bei Hilbig zu Literatur, bei Heisig zu Bildern. Dabei illustriert Heisig Hilbigs Texte nicht. Er liest sie, nimmt Motive und Stimmungen auf und entwickelt daraus eine eigene, expressive Bildsprache. Literatur und Malerei begegnen sich auf Augenhöhe.
Johannes Heisigs Auseinandersetzung mit Hilbigs Werk begann bereits in den 1990er-Jahren. Seine erste von Hilbig inspirierte Serie aus Kohlezeichungen trägt den Titel Abfahrt und entstand 1995. 2020/21 setzte sich Heisig in der Bildfolge Bilder vom Erzählen insbesondere mit Wolfgang Hilbigs Roman „Ich“ auseinander. Nun führt Heisig diesen Dialog weiter. Die elf neuen Arbeiten der Serie Einst war ich älter – titelgebend für die Ausstellung und erstmalig für die Öffentlichkeit zu sehen – von 2026 wenden sich erneut Hilbigs Gedichten und Prosatexten zu, mit einem besonderen Schwerpunkt auf seiner Lyrik. Zeichnung und Malerei verschränken sich; Farbflächen werden überarbeitet, abgekratzt und wieder freigelegt. Grau-, Braun- und Schwarztöne erinnern an Kohle, Ruß und Asche, während einzelne Farben und goldene Akzente aus den dunklen Bildräumen hervortreten.
Ergänzt wird die Ausstellung durch Fotografien, Filme, Bücher sowie Audio- und Videodokumente, die Einblicke in Hilbigs Leben, seine Herkunft und die literarischen Landschaften seines Schreibens geben.