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14. November 2019 - 18. Januar 2020
Johannes Heisig - Herbstfeuer
DIE GALERIE, Frankfurt am Main

Ernst und ein wenig skeptisch schaut Johannes Heisig gemeinsam mit seiner Frau Barbara auf dem für die Ausstellung titelgebenden Gemälde Herbstfeuer drein. Die beiden wohnen dem jährlich in ihrem Dorf stattfindenden Brauch zu Beginn des Herbstes bei und läuten mit diesem Werk nicht nur terminlich das Ende unseres spektakulären Jubiläumsjahres ein, auch thematisch greift das Bild einen für die Ausstellung wichtigen Aspekt auf: Die Vergänglichkeit der Dinge zu untersuchen, und auch die eigene Sterblichkeit zu hinterfragen, sind für Johannes Heisig wichtige Themen seines künstlerischen Ausdrucks. Stillleben wie Memento Mori oder Fischgericht zeugen von einer tiefgreifenden und sensiblen Auseinandersetzung mit existenziellen Fragestellungen. Große Leinwände verlagern die Perspektive, ungewohnte Bildausschnitte verändern das Sehen. Vielleicht sollen sie uns helfen, dem Kleinen, Unbeachteten, scheinbar Nutzlosen, vermeintlich Unschönen mehr Raum und Aufmerksamkeit zu schenken. Dass diese Hilfestellung sinnvoll und bereichernd ist, beweist Heisigs nunmehr vierte Einzelausstellung in DIE GALERIE. Neben seinen nachdenklichen Stillleben sind es diesmal zahlreiche Landschaftsansichten Südfrankreichs und Brandenburgs, feinsinnige Selbstporträts aber auch Momentaufnahmen des Zeitgeschehens, die den genialen Geist und das geschickte Handwerk eines großen Talents unserer Zeit offenbaren.

 

FINISSAGE:

 

18. Januar 2020, 11:00 Uhr, nur nach vorheriger Anmeldung

Künstlergespräch zwischen Dr. Eduard Beaucamp und Johannes Heisig.

 

 

Highlight des Monats


Marino Marini
Cavaliere
Bronze
106 x 96 x 38 cm

Cavaliere ist ein Werk aus der Serie der Pferdeskulpturen, die Marino Marini in den 1930er sowie 1940er Jahren ausgeführt hat. Der Künstler verwendet eine reduzierte, schlichte Form, um die traditionell sakralen Beziehungen zwischen Mensch und Pferd zu zelebrieren und um dieser mystischen Vereinigung eine einzigartige materielle Präsenz zu verleihen.

Die gesamte Geschichte der Menschheit und der Natur liegt in der Figur des Pferdes und des Reiters", schreibt Marini, „seit meiner Kindheit habe ich diese Wesen, Mann und Pferd, beobachtet, (…) am Anfang bestand eine tiefe Harmonie zwischen ihnen, aber im Laufe der Zeit wandelte sich diese Harmonie durch die gewalttätige Welt der Maschine, eine Welt, die Pferd und Reiter auf dramatische, wenn auch nicht weniger lebendige und vitalisierende Weise einfing "(zitiert in Marino Marini, Pistoia, 1979, S. 29-30.)

Cavaliere erinnert an die schlichte archaische Schönheit alt etruskischer Skulptur und verwendet eine schlichte Eleganz der Form, um Gefühle des Mysteriums und der ursprünglichen Energie widerzuspiegeln, welche in dem Dualismus von Mensch und Natur enthalten sind. Marini, der die etruskische und ägyptische Kunst den Künsten des antiken Roms, des klassischen Griechenlands sowie gar der Renaissance, überlegen sah, bemerkte einmal, dass die mächtigste Quelle für sein Bildnis von Pferd und Reiter, die der Menschenmassen war, die am Ende des Zweiten Weltkriegs in Mailand zu Pferde flüchteten. Offensichtlich beeindruckte das zeitlose Bild des Pferdes und des Reiters den Künstler als dramatischer Gegensatz zur kollektiven Anonymität und Unpersönlichkeit einer modernen, mechanisierten Armee, sowie die Tatsache, dass die Menschen in ihrer Panik und Verzweiflung auf diese altertümlichere, persönliche und animistische Form des Transports zurückgriffen.


 

AKTUELL:

Marino Marinis Cavaliere wird eines der Highlights unserer nächsten Ausstellung Benvenuta Italia! sein (23. Januar - 21. März 2020). Lassen Sie sich die Gelegenheit nicht entgehen und bewundern Sie diese wundervolle Skulptur mit eigenen Augen!