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03. September - 28. Oktober 2020
Unsere Lieblingsstücke I Our Favourites
DIE GALERIE, Frankfurt am Main

In ihrer Ausstellung Unsere Lieblingsstücke | Our Favourites  bietet DIE GALERIE einen ganz neuen, vielfältigen Blick auf ihr Galerieprogramm. Dafür kuratiert das kunsthistorische Team zum ersten Mal eine gemeinsame Ausstellung, in der jeder Mitarbeiter einen eigenen, persönlichen Schwerpunkt setzen und seine „Lieblingsstücke“ in einem ausgewählten Raum zur Geltung bringen kann, so dass ganz unterschiedliche Ensembles und sehr persönliche Einblicke in die individuellen Betrachtungsweisen von Kunst entstehen.

 

Eine der herausragendsten, immanenten Eigenschaften von Kunst ist ja ihre Individualität. Es existiert kein Richtig und Falsch in der Kunst, denn sie geht weit über die objektive, rein technische Bravour eines Künstlers hinaus. Eine wesentlich bedeutendere Rolle spielen die Botschaften, welche ein Künstler oder eine ganze Künstlergruppe mit ihren Werken vermitteln möchte, die Philosophien, Weltsichten, Konzepte, Visionen, die ihre innere Welt prägen. Es geht aber nicht nur um die Erschaffung von Kunst, sondern auch um deren Rezeption, um die Gefühle und Emotionen, die ein ganz besonderes Kunstwerk in jedem von uns erwecken kann, sowie um persönliche Erfahrungen, die Kunstwerk und Individuum auf eine einmalige Art und Weise miteinander verbinden. Die eigene Geschichte, die individuellen Vorlieben und die Ideale jedes einzelnen Menschen beeinflussen letztendlich auch seine Wahrnehmung von Kunst. Mit diesem Bewusstsein ist die Ausstellung genau dem subjektiven Blick in der Kunstbetrachtung gewidmet.

 

So präsentiert Unsere Lieblingsstücke I Our Favourites, mit Werken von der klassischen Moderne bis hin zur zeitgenössischen Kunst, bedeutende Künstler wie André Masson, Max Ackermann, Karl Otto Götz, Carl-Henning Pedersen, Johannes Heisig und Klaus Zylla, von vier verschiedenen Blickwinkel aus gesehen.

 

Hier geht es zur unserer Online-Ausstellung mit dem Film zur Eröffnung der Ausstellung, in dem dieses Mal die Kuratoren der Ausstellung, Laura Colombini, Elke Mohr, Carolin Nusser und Peter Femfert, DIE GALERIE persönlich sprechen sowie dem virtuellen 3D-Rundgang durch die Ausstellung.

 

 

Schauen Sie den Eröffnungsfilm

 

 

 

 

 Besuchen Sie die virtuelle 3D-Ausstellung

 

Wussten Sie das? Unsere Ausstellungen können Sie jetzt auch von Zuhause aus virtuell besichtigen.

Wir wünschen viel Vergnügen bei Ihrem virtuellen Rundgang!  

 

 

Wie Sie durch die 3D-Ausstellung gehen:

Sie können die 3D-Tour ganz leicht mit Ihrer Maus am PC steuern. Orientieren Sie sich an den weißen, runden Kreisen auf dem Boden und klicken Sie auf diese, um sich fortzubewegen. Auf die gleiche Weise können Sie sich an der Wand bewegen, um nach links und rechts oder nach oben und unten zu schauen. An jedem Werk ist ein ausgefüllter kleiner, weißer Kreis, klicken Sie auf diesen und erhalten Sie Informationen zum jeweiligen Werk.

 

 

Highlight des Monats


Karl-Otto Götz
Stördö 8.11.1957
Mischtechnik auf Leinwand
145 x 175 cm
Signiert unten links 'K. O. GÖTZ'

Das Gemälde Stördö 8.11.1957 entstand 1957: Knapp zehn Jahre zuvor hat Karl Otto Götz als einziges deutsches Mitglied die Künstlergruppe CoBrA mitgestaltet und in der Auseinandersetzung mit den Ideen der Gruppe für seine eigene künstlerische Entwicklung maßgebliche Impulse erfahren. An der ersten und der letzten CoBrA-Ausstellung war er mit einer Reihe von Werken beteiligt und hat auch anderen jungen deutschen Künstlern den Anschluss an die internationale Avantgarde vermittelt. 1957 wohnte Karl Otto Götz in Frankfurt, er hatte sich hier ein weitreichendes Netz an Kontakten zu Künstlern in ganz Europa geschaffen, die Zeitschrift Meta in zehn Nummern herausgegeben, wesentlich an der Rolle Frankfurts als Zentrum für Avantgarde-Kunst beigetragen und für sich ab 1952 eine eigene Technik entwickelt, die es ihm ermöglichte, durch eine Auflösung der Form den Moment und die Bewegung an sich bildkünstlerisch darzustellen. Die entscheidenden Schritte zur Formulierung seiner eigenen Bildsprache fand er eher zufällig, als er für seinen Sohn Kleisterfarbe anrührte. Götz verlässt die tradierte, von Surrealismus und Abstraktion geprägte, fixe Formsprache und entwickelt eine neue, freie, ganz eigene Technik, in der er die grundierte Leinwand flach auf dem Boden liegend mit Kleister versieht und die Farbe mit Rakel und Pinsel in kraftvollen Schwüngen in den noch feuchten Kleister arbeitet. Diese Technik ermöglicht ihm ein rasantes Arbeiten und damit das augenblickliche Festhalten eines Bildmoments.

 

Die ausgehenden 1950er Jahre markieren einen ersten Höhepunkt in dieser Technik, mit auf die ganze Bildfläche ausgebreiteten, nahezu monochromen Kompositionen. Will Grohmann beschreibt dies so: „In den Jahren 1954 bis 1959 verstärkt sich von Bild zu Bild der Eindruck des Unaufhaltsamen, die Abläufe der meinst monochromen Bahnen und Strudel verknoten sich und befreien sich wieder. Es gibt sich aufbäumende Wellen, die beinahe so isoliert dastehen wie die der japanischen Holzschnittmeister, und daneben Stauungen, die Wirbel erzeugen oder Unterbrechungen des Rhythmus; es gibt Mitte 1956 vertikal verlaufende, sich verjüngende Gebilde, die Gletschern nicht unähnlich sind. Die Gefahr des Ornaments wird nie akut, auch die zentral verlaufenden Katarakte bleiben ohne Beziehung zu Wiederholungen. Die Jahre von 1957 an sind entscheidend in Oeuvre des Malers.“

 

In Stördö 8.11.1957 beeindruckt die berstende Bewegung der diagonal ausgeführten Pinselschwünge, die über Kreuz verschränkt bis in die Ecken verlaufen. Der Rhythmus von dunklen und hellen Partien negiert eine Räumlichkeit und lässt doch Partien von Tiefe entstehen. Das äußerste sparsam eingesetzte Braunrot wirkt wie laviert, es akzentuiert, ohne dass es inhaltlich oder kompositorisch zu erklären ist. Die große Bedeutung, die Stördö 8.11.1957 im Œvre von Karl Otto Götz einnimmt, reflektiert nicht zuletzt die Tatsache, dass das Gemälde 1958 bei der Biennale ausgestellt war.